Danke, Karl und tschüss.

(Wir Hamburger sterben nicht, wir Hamburger gehen baden!)


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Es stürmte, stürmte Tag und Nacht
Durch alle Lande.
Die Kerze brannte auf dem Tisch,
Die Kerze brannte.

Wie Sommermücken an das Licht
Der Flamme treiben,
So stoben Flocken übern Hof
An Fensterscheiben.

Schneegestöber malte Kreise
An das Glas, und Pfeile.
Die Kerze brannte auf dem Tisch,
Die Kerze brannte.

Und an der Decke ließ das Licht
Schatten sich erheben:
Arme und Beine kreuzten sich,
Wie auch die Leben.

Und mit dumpfem Schlag zum Boden
fielen da zwei Schuhe.
Und, wie Tränen, aufgesogen
Vom Kleid: Lampenwachs.

Und alles verlor sich im Schnee –
Im Grau und Weiß es schwand.
Die Kerze brannte auf dem Tisch,
Die Kerze brannte.

Die Kerze flackerte im Zug
Und die Verführung hob
Gleich einem Engel zwei im Flug
Gekreuzte Flügel.

So stob es durch den Februar,
Und dann und wann
Brannte die Kerze auf dem Tisch,
Die Kerze brannte.

Boris Pasternak, Winternacht


Ich sah deinen Wagen voll von blutigem Gold,
Überquellend von Rosen und nackten Frauen.
Im Meer der blauen Körper: kaum zu überschauen
Das alte Weinen der Sklaven, Satrapen, Herrscher und Götter,
Dann jener erlösende Schrei: „Thalatta, Thalatta”.
Und jugendlich strahlt der glänzende Himmel,
Wirft seine schaurigen Schatten auf das brennende Rom.
Kinder und Tiere und nackte Frauen fallen
Über dich her, bespritzt mit Wein.

Die Maske der Hure schien gleich des Henkers mir hold,
In weißer Seide, weinend, voll Scham: die Jungfrau mit Sohn
In einer Flut von Blut und Kronen und Gold.
Jedes Volk hat schon einmal gesiegt, jeder Kaiser.
Es siegten die Kinder und Räuber.
Es siegte der Tod. Es siegte die Lust.
Deine Wangen sind voll, doch du hast keine Ehre
In der Brust.


Miloš Crnjanski, dem Sieg

DIE HURE BABYLON

Dunkel ist es in der Welt, niemand wagt’s nach Licht zu fragen, ja, Wahnsinn selber muss noch sterben: ist uns noch nicht verrückt genug. Sag mir doch wo’s Heilung gibt, für dich, und mich, und diese Welt. Die Antwort liegt wohl nicht beim Menschen, und gesetzt selbst er sähe zum Himmel rauf, keck, dann fiel er, fiel er nur. Ach, das rege Leben lacht ins Angesicht der Nacht hinein, sich selbst speist seine Straße. Wer traut sich schon das Kreuz zu schlagen, wenn’s Höllentor weit offen steht. – Nimmer ich, und nimmer du! Die Hure hinkt mit Bußkette am Schenkel, stranguliert man sie schlägt erst ihr Puls; dass ihre Vulva pochen kann, bevor man sie erdrosselt und sich wie ein Schwein in ihrer Jauche suhlt. Ja, das Ungeziefer ist ihr Lende, die Heckenrose sticht sich selbst: sie schneidet ihre Kehle noch mit Gefallen selber durch: um Blut zu sehn! um es zu gurgeln! Nur kein Mitleid, wenn sie sich verschluckt: Beilage der bittre Beigeschmack. Und das Schwein ? – wird freiwillig zur Schlachtbank kommen, in einer Welt wie dieser. In einer Welt wie dieser, in der ein Spiegel Schandtat zeigt, Sünder, abgezogene Gesichter. Du hättest jemand anders sein können, ein Besserer, doch selbst der Blender ist erblindet; der einzige Smaragd, der leuchtet, ist eine grüne Fee, die gleich der Viper giftig ihren Speichel in unser aller Rachen träufelt, der einfach durch die Rippen rinnt, um dann den heißen Sand zu düngen, der nichts trägt. Die Plage Mensch will einfach nicht vorüber gehn: erst wenn er alles abgeerntet, springt er vorzugsweise über zum nächsten Planeten, wie eine Heuschrecke, die springt von Feld zu Feld. Der Mensch steht an um Blut zu sehn, drängelt sich dafür noch vor. Ja, es ist wahr, – ich habe ihn geprüft, und er ist durchgefallen! – Blut gärt, er trinkt trotzdem weiter. Und die Zukunft wird nur immer wager, mit jedem Schluck den er da tut.

ZITTERND EINE HAND DIR NAHT…

Zitternd eine Hand Dir naht:
Unberührt noch, und ganz zart
Liegt die Unschuld selbst darin,
Wie in den Wangen eines Kinds.

Vorsichtig entblößt Sie sich,
Sanft berührt ein Schauder Dich:
Was ihr Innres in sich barg,
Liegt nun ganz offen vor dir da,

Reicht vom Himmel dir ein Stück,
Doch ziehst du die Hand zurück.
Friede, Mensch, hat dich gestreift –
Was ist’s, dass Du Ihn nicht ergreifst ?

ALS WIR UNS UM VERGEBUNG BATEN

Wir wollten da die Hände falten,
Wo etwas Sie zurück gehalten.
Wir wollten da die Lippen öffnen,
Wo keine Worte war‘n zu schöpfen.

Da fielen Arme, ausgerissen,
Wo nichts, als Schmerz die Hand ergriffen.
Da schrie es stumm, aus Mündern, harten,
Als wir uns um Vergebung baten.